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Chromlack auf Leichtmetallfelgen: Vorbereitung, Schichtaufbau und Haltbarkeit

Wer Alufelgen verchromen möchte, kommt mit einer Chrom-Effektlack-Spraydose ans Ziel, wenn die Vorbereitung stimmt. Das Ergebnis steht und fällt nicht mit der Dose, sondern mit dem Zustand der Oberfläche davor. Wer das ernst nimmt, bekommt einen Glanz, der sich sehen lassen kann. Wer es nicht ernst nimmt, schleift in zwei Wochen wieder ab.

Chrom-Effektlack wird per Spraydose gleichmaessig auf eine vorbereitete Leichtmetallfelge aufgetragen

Alufelgen verchromen: Was du für das Projekt brauchst

Bevor du anfängst, lohnt es sich, alles bereitzulegen. Ein fehlender Schritt in der Vorbereitung zeigt sich später im Finish, oft erst dann, wenn der Klarlack schon drauf ist.

  • Schleifpapier in den Körnungen P180, P320 und P400 (Vor- und Zwischenschliff)
  • Entfetter oder Isopropanol (mindestens 70 %)
  • Metallgrundierung oder Kunststoff-Haftgrund je nach Felgentyp
  • Chrom-Effektlack-Spraydose (Silberspiegel-Typ, kein gewöhnlicher Silberlack)
  • UV-beständiger Klarlack mit Hitzefestigkeit bis mindestens 150 bis 200 Grad
  • Abdeckband und Folie zum Abkleben von Reifen und Bremsscheibe
  • Atemschutzmaske (FFP2 oder besser) und Nitrilhandschuhe
  • Flusenloses Tuch zum Abreiben

Zur Produktwahl: Chrom-Effektlack ist nicht gleich Chrom-Effektlack. Für den charakteristischen Spiegelglanz wird ein sogenannter Silberspiegel-Lack benötigt, der mit sehr feinen Metallpartikeln arbeitet. Handelsüblicher Silberlack oder Alusilber liefert diesen Effekt nicht. Beim Klarlack über Chromlack auf die Wärmebeständigkeit achten: Bremswärme kann an der Innenseite der Speichen durchaus 150 Grad und mehr erreichen. Ein normaler Klarlack aus dem Baumarkt kann dort vergilben oder ablösen.

Felge abbauen oder am Auto lackieren?

Diese Frage stellen fast alle Einsteiger, und die Antwort ist eindeutig: Felge abbauen.

Am montierten Rad ist sauberes Abkleben kaum möglich. Bremsscheibe, Bremssattel und Reifenflanke liegen eng beieinander, und Overspray auf der Bremsscheibe ist ein ernstes Sicherheitsproblem. Wer die Felge ausbaut, kann sie flach hinlegen, gleichmäßiger sprühen und den Reifen komplett schützen. Der Mehraufwand von einer Stunde pro Rad rechnet sich durch ein deutlich besseres Ergebnis. Zusätzlich lassen sich Innenseite der Speichen und der Felgenbett-Bereich bei demontierter Felge überhaupt erst vernünftig erreichen.

Wer dennoch am Auto arbeitet, sollte zumindest die Bremsscheibe mit hitzebeständiger Folie abdecken und die Reifenflanke vollständig mit Abdeckband sichern. Chromlack-Overspray auf Gummi ist kaum rückstandslos zu entfernen und haftet dauerhaft.

Felge richtig vorbereiten

Die Vorbereitung ist der Schritt, für den du die meiste Zeit einplanen solltest. Sie entscheidet, ob das Alufelgen verchromen hält oder sich nach kurzer Zeit wieder ablöst.

Zuerst die Felge gründlich waschen: Bremsstaubablagerungen, Fett und alte Wachsreste müssen vollständig weg. Danach trocknen lassen, dann mit Körnung 180 anschleifen, bis die gesamte Oberfläche gleichmäßig matt ist. Glänzende Stellen bedeuten: der Lack hat dort keine Haftung. War die Felge bereits beschichtet, entweder vollständig abschleifen oder einen geeigneten Abbeizer einsetzen. Alte Lackschichten unter neuem Chromlack führen früher oder später zum Abplatzen. Nach dem Schleifen nochmals mit Isopropanol entfetten wie bei der Chromlack-Vorbereitung beschrieben und mit einem flusenfreien Tuch abnehmen. Schleifstaub in Poren oder Ritzen ist der häufigste Grund für ein ungleichmäßiges Finish.

Für alle Infos rund um Chromlack auf Felgen gibt es eine eigene Übersicht mit Materialvergleich und Produkttypen.

Grundierung und Schichtaufbau: die richtige Reihenfolge

Nach der Vorbereitung folgt der Schichtaufbau. Jede Schicht braucht ihre Zeit, bevor die nächste kommt. Wer hier spart, zahlt es mit einer klebrigen oder ungleichmäßigen Oberfläche.

Die folgende Tabelle zeigt den Aufbau mit typischen Trockenzeiten, die unter normalen Bedingungen (18 bis 23 Grad, trockene Luft) gelten.

Schritt Material Trockenzeit vor nächstem Schritt
1. Grundierung Metallgrundierung oder Haftgrund 30 bis 60 Minuten (ggf. länger laut Herstellerangabe)
2. Zwischenschliff Körnung 400 nass oder trocken danach nochmals entfetten
3. Erste Chromschicht Chrom-Effektlack (Silberspiegel) 15 bis 20 Minuten
4. Zweite Chromschicht Chrom-Effektlack (Silberspiegel) 20 bis 30 Minuten
5. Klarlack (1. Schicht) UV-beständiger Klarlack, hitzefest 20 bis 30 Minuten
6. Klarlack (2. Schicht) UV-beständiger Klarlack, hitzefest Mindestens 24 Stunden vor Belastung

Beim Sprühen den Spritzabstand zur Felge bei etwa 20 bis 25 Zentimetern halten und die Dose gleichmäßig in einer Richtung über die Fläche führen, ohne am Ende der Bahn abzusetzen. Lieber mehrere dünne Schichten als eine dicke auftragen. Der Zwischenschliff der Grundierung mit Körnung 400 ist ein Schritt, den viele auslassen. Er glättet Staubeinschlüsse in der Grundierschicht und gibt dem Chrom-Effektlack eine gleichmäßige Unterlage, was den Spiegeleffekt spürbar verbessert.

Wo lackieren: drinnen oder draußen?

Chrom-Effektlack reagiert empfindlich auf Feuchtigkeit, Wind und Temperaturen unter 15 Grad. Draußen an einem windstillen Tag unter 25 Grad ist grundsätzlich möglich, aber Staub und Insekten können sich im nassen Lack festsetzen. Besser ist ein gut belüfteter Innenraum, zum Beispiel eine Garage mit geöffnetem Tor.

Drinnen darauf achten, dass die Lösemitteldämpfe abziehen können. Ohne ausreichende Belüftung sind die Dämpfe gefährlich, und die Atemschutzmaske ist in diesem Fall kein optionales Zubehör. Bei hoher Luftfeuchtigkeit über 70 Prozent besser warten: Chrom-Effektlack kann dann milchig oder stumpf trocknen statt hochglänzend.

Typische Einsteigerfehler beim Alufelgen verchromen

Wer zum ersten Mal Chrom-Effektlack auf Leichtmetallfelgen aufträgt, macht häufig dieselben Fehler. Die meisten davon entstehen nicht aus Unaufmerksamkeit, sondern weil die Besonderheiten von Chrom-Effektlack sich von normalem Sprühlack unterscheiden.

  • Normalen Silberlack statt Chrom-Effektlack verwenden: Das Ergebnis ist grau-matt statt spiegelnd. Der Unterschied liegt in der Partikelgröße und Zusammensetzung. Chrom-Effektlack ist eine eigene Produktkategorie.
  • Ohne Grundierung direkt auf blankes Aluminium sprühen: Aluminium bildet eine natürliche Oxidschicht, auf der viele Lacke schlecht haften. Eine Metallgrundierung schafft die nötige Haftbrücke.
  • Zu kalt oder zu feucht lackieren: Unter 15 Grad oder bei hoher Luftfeuchtigkeit trocknet der Chrom-Effektlack stumpf statt hochglänzend. Das lässt sich nicht nachträglich korrigieren, die Schicht muss abgeschliffen werden.
  • Zu wenig Trockenzeit zwischen den Schichten: Die darunter liegende Schicht bleibt feucht und wird durch die nächste Schicht angelöst. Das ergibt Blasen, Krakel oder eine klebrige Oberfläche.
  • Den Klarlack weglassen: Chrom-Effektlack ist ohne Schutzschicht sehr empfindlich. Schon ein grober Lappen kann die Chromschicht zerkratzen. Im Fahrbetrieb ist sie ohne Klarlack innerhalb weniger Wochen abgenutzt.
  • Laufnasen nicht sofort beheben: Eine frische Laufnase kann noch innerhalb der Verarbeitungszeit mit einem flusenfreien Pinsel geglättet werden. Ist sie einmal angetrocknet, hilft nur abschleifen und neu lackieren. Der Versuch, trockene Läufer wegzuwischen, zerstört die Chromschicht.
  • Felge bei montiertem Reifen lackieren: Overspray auf der Bremsscheibe ist ein Sicherheitsproblem. Felge demontieren.

Falls die Felge durch einen Bordsteinschaden beschädigt ist, solltest du zuerst die Oberfläche ausgleichen. Mehr dazu findest du unter Chromlack für die Felgenreparatur: so geht's richtig.

Wie lange hält Chromlack auf Leichtmetallfelgen?

Haltbarkeit ist die Frage, die sich fast jeder stellt, und die Antwort hängt stark davon ab, wie das Fahrzeug genutzt wird und ob ein Klarlack aufgetragen wurde.

Als allgemeiner Richtwert gilt: Bei Sommerbetrieb ohne Waschanlage und mit einem hochwertigen Klarlack kann das Ergebnis ein Jahr oder länger ansehnlich bleiben. Im Winterbetrieb mit Streusalz und regelmäßigem Waschen verkürzt sich das spürbar. Streusalz greift Felgenlacke grundsätzlich an, und Chrom-Effektlack ist dabei empfindlicher als industriell aufgebrachte Beschichtungen. Wer Alufelgen verchromen lässt und sie anschließend im Winter fährt, sollte regelmäßig prüfen, ob der Klarlack noch intakt ist, und bei ersten Abnutzungszeichen die Versiegelung der Chrom-Felgen erneuern.

In der Waschanlage sorgen Hochdruckstrahlen und Bürstenkontakt für Mikrokratzer im Klarlack, die über Zeit den Glanz mindern. Handwäsche mit weichem Schwamm verlängert die Lebensdauer des Finish deutlich. Durch Felgenwechsel bei Winterreifenmontage entstehen häufig Beschädigungen am Reifenbett, da das Abziehen des Reifens die Kante mechanisch beansprucht. Wer sich vorab informieren möchte, welche Möglichkeiten zur Felgenverchromung es gibt, findet dort einen Vergleich von Galvanik, Folie und Lack.

Wer mehr über die Grundlagen der Chromlackierung erfahren möchte, findet dort einen Überblick über Materialien und Techniken für verschiedene Untergründe.

Häufige Fragen

Diese Fragen tauchen beim Thema Chromlack auf Leichtmetallfelgen besonders oft auf.

Wie viele Dosen Chrom-Effektlack brauche ich für eine Felge?

Das hängt von der Felgengröße ab. Für eine 17-Zoll-Felge mit zwei Schichten Chrom-Effektlack und zwei Schichten Klarlack sind je nach Felgendesign eine bis zwei Dosen Chromlack und eine Dose Klarlack üblich. Bei stark strukturierten Felgen mit vielen Speichen und Hohlräumen steigt der Verbrauch. Es empfiehlt sich, eine Dose Reserve zu haben, da nachgemischte Chargen sich im Farbton leicht unterscheiden können.

Hält Chromlack auf Felgen die Waschanlage aus?

Mit einem aufgetragenen UV-beständigen Klarlack ist gelegentliches Waschen in der Waschanlage möglich. Bürstenkontakt und Hochdruckstrahlen sind dennoch nicht ideal: Sie erzeugen Mikrokratzer im Klarlack und mindern über Zeit den Spiegelglanz. Wer die Optik erhalten möchte, wäscht die Felgen besser von Hand mit einem weichen Schwamm.

Kann ich Chrom-Effektlack auch auf Motorradfelgen anwenden?

Grundsätzlich ja, aber Motorradfelgen haben oft schmalere Speichen und engere Radien, die das gleichmäßige Sprühen erschweren. Wichtig ist, den Reifenwulst vollständig abzukleben, da er beim Motorrad noch enger an der Felge anliegt als beim Auto. Für komplex geformte Speichenräder empfehlen sich kürzere Sprühstöße und ein geringerer Abstand, damit die Dose die Winkel besser erfasst. Dabei die Schicht besonders dünn halten, damit es an den Kanten nicht zu Läufen kommt.

Welche Grundierung eignet sich für Alufelgen?

Wer Alufelgen verchromen will, braucht für blankes Aluminium eine Metall- oder Zink-Grundierung, die speziell für Leichtmetall ausgelegt ist. Haftgründe auf Epoxidbasis bieten besonders gute Haftung auf Aluminium-Oberflächen. Wichtig ist, dass die Grundierung lösemittelfest ist, da Chrom-Effektlack lösemittelhaltig ist und eine ungeeignete Grundierung anlösen kann. Ist die Felge bereits grundiert oder mit einem Werkslack beschichtet, reicht in vielen Fällen ein sorgfältiger Vorschliff, ohne dass eine neue Grundierung nötig wird.

Mit sorgfältiger Vorbereitung, dem richtigen Produkttyp und ausreichend Geduld beim Schichtaufbau lassen sich Alufelgen verchromen, die auch nach Monaten noch überzeugen. Der größte Hebel ist nach wie vor die Vorbereitung der Oberfläche.