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Kompressor Druck Lackieren: Bar-Werte für Chromlack richtig einstellen

Wer zum ersten Mal mit Kompressor und Spritzpistole lackiert, fragt sich schnell: Welcher Druck zum Lackieren ist der richtige? Zu wenig, und der Lack läuft in Nasen. Zu viel, und er vernebelst in der Luft, trocknet vor dem Auftreffen an und landet als rauer, matter Film auf der Oberfläche. Bei Chromlack und Chrom-Effektlack ist dieser Spielraum enger als bei normalen Lacken, weil der metallische Glanz direkt vom Zerstäubungsbild abhängt. Diese Seite zeigt dir, welche Bar-Werte für welches Material sinnvoll sind, wie du Kesseldruck und Arbeitsdruck richtig unterscheidest und welche Fehler Einsteiger immer wieder machen. Wer noch unsicher ist, ob ein Kompressor überhaupt die richtige Wahl ist, findet im Vergleich Kompressor oder Spraydose eine hilfreiche Entscheidungshilfe.

Druckminderer am Kompressor auf 1,6 bar eingestellt fuer das Lackieren mit Chromlack-Effektlack

Welcher Druck zum Lackieren gilt: Kesseldruck und Arbeitsdruck richtig lesen

Viele Einsteiger lesen den Druck am falschen Messgerät ab und wundern sich dann über schlechte Ergebnisse. Der Unterschied zwischen Kesseldruck und Arbeitsdruck ist das erste, was du verstehen musst.

Der Kesseldruck ist der Vorratsdruck im Drucklufttank des Kompressors. Er liegt je nach Gerät bei 6 bis 10 bar und schwankt, während der Kompressor nachfüllt. Am Kessel-Manometer liest du also nicht den Druck ab, mit dem deine Pistole arbeitet. Der Arbeitsdruck dagegen ist der Druck, der nach dem Druckminderer (Regler) an der Pistole anliegt. Dieser Wert bestimmt tatsächlich, wie fein der Lack zerstäubt wird. Nur den Arbeitsdruck kannst du sinnvoll einstellen und kontrollieren.

Wer den Druck direkt am Kompressor-Kessel liest und daraus die Druckeinstellung ableitet, lackiert mit unkontrollierten Werten und wird regelmäßig schlechte Spritzbild-Ergebnisse sehen, vor allem bei empfindlichen Effektlacken.

Typische Druckwerte für verschiedene Lackmaterialien

Die folgende Tabelle gibt einen praxisnahen Überblick über gebräuchliche Arbeitsdruck-Richtwerte für HVLP-Spritzpistolen (High Volume Low Pressure). HVLP ist der heute im Hobbybereich und bei kleinen Werkstätten am weitesten verbreitete Pistolentyp. Die Werte sind allgemeine Orientierungen; die Anleitung deiner Pistole und die Produktdatenblätter des Lacks haben immer Vorrang.

Material Arbeitsdruck HVLP Hinweis
Grundierung / Füller 2,0 bis 2,5 bar Höhere Viskosität erfordert etwas mehr Druck
Uni-Basislack 1,8 bis 2,2 bar Mittelviskos, gut verarbeitbar
Metallic-Basislack 1,5 bis 2,0 bar Niedrigerer Druck für gleichmäßige Partikelausrichtung
Chromlack / Chrom-Effektlack 1,5 bis 1,8 bar Feine Zerstäubung ist entscheidend für den Spiegelglanz
Klarlack 2,0 bis 2,5 bar Etwas höherer Druck für sauberen Verlauf ohne Orangenhaut
Wasserverdünnbarer Lack 1,5 bis 2,0 bar Dünnflüssiger, niedrigerer Druck verhindert Overspray

Konventionelle Spritzpistolen (ohne HVLP) arbeiten bei 3 bis 4 bar. Sie erzeugen deutlich mehr Overspray und werden im Hobbybereich immer seltener eingesetzt. Für Chromlack sind sie wegen des hohen Drucks und des damit verbundenen Partikelschadens am Glanzfilm nicht die erste Wahl. Was beim Overspray bei Chromlack genau passiert und wie du ihn vermeidest, erklärt der zugehörige Artikel.

Förderleistung: Was Bar-Werte alleine nicht verraten

Selbst wer den richtigen Arbeitsdruck einstellt, bekommt schlechte Ergebnisse, wenn der Kompressor zu klein ist. Der Grund: Eine HVLP-Pistole braucht nicht nur einen bestimmten Druck, sondern auch eine konstante Luftmenge pro Minute.

Die Förderleistung wird in Litern pro Minute (l/min) oder in Kubikfuß pro Minute (cfm) angegeben. HVLP-Pistolen für den Hobbybereich benötigen je nach Düsengröße meist zwischen 100 und 200 l/min. Liegt die Förderleistung darunter, fällt der Druck während des Lackierens ab, sobald der Tank leer wird. Das Ergebnis: ungleichmäßige Schichten, wechselndes Spritzbild und bei Chrom-Effektlack ein fleckiger Glanz.

Die folgende Liste zeigt, was bei der Kompressorwahl für Chromlack-Anwendungen zu beachten ist.

  • Tankgröße mindestens 24 Liter: Kleinere Tanks leeren sich so schnell, dass der Kompressor permanent läuft und der Druck schwankt.
  • Förderleistung über 150 l/min: Das reicht für die meisten HVLP-Pistolen mit 1,3 bis 1,7 mm Düse.
  • Druckminderer mit Manometer am Ausgang: Nur so liest du den tatsächlichen Arbeitsdruck ab, nicht den Kesseldruck.
  • Wasserabscheider zwingend notwendig: Kondensiertes Wasser im Schlauch erzeugt Einschlüsse und Blasen im Lackfilm, vor allem bei Chromlack. Welche Schäden Feuchtigkeit im Lackfilm konkret anrichtet, zeigt der Artikel zu Blasen im Chromlack.
  • Schlauchlänge so kurz wie möglich halten: Jeder Meter dünner Schlauch kostet Druck. Als Richtwert gilt: ein 5 m langer 6-mm-Schlauch kann je nach Durchfluss 0,2 bis 0,4 bar schlucken.

Düsengrößen für Chrom-Effektlack

Der Arbeitsdruck ist nur ein Teil der Gleichung. Die Düsengröße der Spritzpistole bestimmt, wie viel Lack pro Hub gefördert wird und wie fein die Zerstäubung ausfällt. Bei Chrom-Effektlack ist die Düsenwahl besonders wichtig, weil die Aluminium- oder Silberpigmente empfindlich auf zu viel Scherdruck reagieren.

Für Spritzpistolen für Chromlack empfehlen sich folgende Düsengrößen je nach Aufgabe.

  • 1,2 bis 1,4 mm: Geeignet für dünnflüssigen Chrom-Effektlack, Airbrush-nahe Anwendungen und feine Bauteile. Niedrigerer Druck, sehr feine Zerstäubung.
  • 1,4 bis 1,6 mm: Universalgröße für Basislacke und Chrom-Effektlacke mittlerer Viskosität. Guter Kompromiss zwischen Auftragsmenge und Zerstäubungsqualität.
  • 1,7 bis 2,0 mm: Eher für Grundierungen und Füller. Für Chromlack nur sinnvoll, wenn der Lack stark verdünnt wird, was den Glanz meist beeinträchtigt.

Wer unsicher ist, liest die Hinweise zur richtigen Düsengröße im zugehörigen Artikel. Hersteller von Chrom-Effektlack geben oft eine Düsengröße in der Produktbeschreibung an. Diese Angabe hat Priorität vor allgemeinen Richtwerten.

Chrom-Effektlack: Warum der Druck den Glanz direkt beeinflusst

Chrom-Effektlack und Chrom-Spiegelglanzlack reagieren empfindlicher auf Druckschwankungen als einfache Uni-Lacke. Der Grund liegt im Aufbau des Materials.

Der metallische Spiegelglanz entsteht durch sehr feine Aluminium- oder Silberpartikel (je nach Produkt auch als Pigmentflakes bezeichnet), die sich beim Auftragen flach zur Oberfläche ausrichten müssen. Zu hoher Druck wirft die Partikel beim Aufprall durcheinander, die Ausrichtung gelingt nicht gleichmäßig, und das Ergebnis ist ein matter, körniger Schleier statt eines klaren Spiegeleffekts. Zu niedriger Druck erzeugt unvollständig zerstäubte Tropfen, die die Oberfläche rau hinterlassen.

Der empfohlene Druckbereich von 1,5 bis 1,8 bar ist für die meisten HVLP-Pistolen ein guter Ausgangspunkt. Entscheidend ist aber der Mehrschichtaufbau: Chrom-Effektlack wird immer in mehreren dünnen Lagen aufgetragen, nicht in einer dicken Schicht. Zwischen den Lagen wird kurz abgelüftet, bis die Oberfläche staubtrocken ist. Erst dann folgt die nächste Lage. Dieser Aufbau sorgt für die charakteristische Tiefe und den Spiegelglanz des fertigen Chrom-Effektlack-Schichtaufbaus. Welche Zwischentrocknungszeiten dabei einzuhalten sind, erläutert der Artikel zur Schichtfolge und Trocknungsreihenfolge bei Chromlack.

Ein Klarlack über Chromlack schützt die empfindliche Metallic-Schicht vor Kratzern und Witterung. Auch hier gilt: lieber zwei dünne Lagen als eine dicke.

Airbrush und Mini-Kompressoren: Ein anderer Druckbereich

Wer mit einem kleinen Airbrush-Kompressor arbeitet, bewegt sich in einem ganz anderen Druckbereich. Airbrush-Geräte für Modellbau, Figuren oder kleine Teile arbeiten in der Regel mit 0,5 bis 1,5 bar an der Düse. Diese niedrigen Drücke sind für sehr fein verdünnten Lack ausgelegt, der durch sehr kleine Düsen (0,2 bis 0,5 mm) gefördert wird.

Für Chromlack im Modellbau eignen sich speziell formulierte Chromlack-Produkte, die für Airbrush gedacht sind. Diese haben eine deutlich dünnere Konsistenz als Produkte für Spritzpistolen und sind auf den niedrigeren Druckbereich abgestimmt. Wer normalen Chrom-Effektlack für Spritzpistolen durch eine Airbrush-Düse drückt, verstopft die Düse oder erhält ein unbrauchbares Ergebnis.

Ein typischer Druckbereich für Airbrush-Chromlack liegt bei 0,8 bis 1,2 bar. Viele Mini-Kompressoren haben keine Druckschwankungen und liefern sehr gleichmäßige Luft, was für feine Metallic-Effekte auf kleinen Flächen ein Vorteil ist.

Typische Einsteigerfehler beim Kompressor-Lackieren mit Chromlack

Die meisten Fehler beim Kompressor Druck Lackieren passieren nicht wegen falscher Theorie, sondern wegen vermeidbarer Praxisfehler. Hier sind die häufigsten Probleme und warum sie entstehen.

  • Kesseldruck statt Arbeitsdruck einstellen: Der Kessel zeigt 6 bar, der Regler steht auf 2 bar, aber der Nutzer liest am Kessel-Manometer ab. Ergebnis: viel zu hoher Druck an der Pistole, Chromlack vernebelst, trocknet in der Luft und landet als matter Schleier auf dem Werkstück.
  • Druckverlust durch langen oder dünnen Schlauch ignorieren: Am Regler stehen 1,8 bar, an der Pistole kommen durch 10 Meter 6-mm-Schlauch nur noch 1,4 bar an. Das Spritzbild wird unregelmäßig, der Chromlack baut keinen gleichmäßigen Glanzfilm auf.
  • Kein Wasserabscheider: Kondensiertes Wasser im Druckluftsystem landet auf dem frischen Lackfilm als winzige Einschlüsse oder Blasen. Bei Chrom-Effektlack sieht das sofort aus wie Flecken. Einen hochwertigen Wasserabscheider direkt am Kompressor-Ausgang zu montieren ist kein optionales Zubehör.
  • Lack nicht auf Viskosität prüfen: Zu dicker Lack lässt sich bei korrektem Druck nicht gleichmäßig zerstäuben. Das Ergebnis sind grobe Tropfen und eine raue Oberfläche. Die Viskosität mit einem Auslaufbecher zu messen und den Lack korrekt zu verdünnen ist ein Schritt, den viele Einsteiger überspringen.
  • Zu großer Kompressor mit zu kleiner Pistole: Kein klassischer Fehler, aber möglich: Wer eine Pistole mit Druckregler und eine große Anlage kombiniert, muss sicherstellen, dass der Regler an der Pistole fein genug einstellbar ist. Sprünge von 0,5 bar sind für Chromlack zu grob.
  • Chromlack in einer Schicht auftragen wollen: Eine dicke Schicht in einem Durchgang führt unweigerlich zu Läufern und einem zerstörten Glanzfilm. Chrom-Effektlack braucht mindestens drei bis vier dünne Lagen, jede kurz angetrocknet. Wer das überspringt, muss das Werkstück schleifen und neu beginnen. Details dazu im Artikel zu Läufern im Chromlack.
  • Druck während des Lackierens verändern: Wer mitten in einer Lage merkt, dass das Spritzbild nicht stimmt, und sofort am Regler dreht, riskiert einen sichtbaren Übergang im Lackfilm. Immer pausieren, Druck anpassen, dann auf Testfläche prüfen, bevor weitergearbeitet wird.

Schritt für Schritt zum richtigen Arbeitsdruck

Die Frage, welcher Druck zum Lackieren passt, lässt sich am zuverlässigsten mit einem strukturierten Vorgehen vor dem eigentlichen Auftrag beantworten. Das kostet ein wenig Material, spart aber den Ärger von Fehlern am Werkstück.

  1. Lies die Anleitung deiner Spritzpistole. Der Hersteller gibt einen Druckbereich und eine passende Düsengröße an. Das ist dein Ausgangspunkt.
  2. Prüfe die Viskosität des Lacks mit einem Auslaufbecher (DIN 4 oder DIN 6). Bringe den Lack mit dem empfohlenen Verdünner auf Verarbeitungskonsistenz.
  3. Stelle den Druckminderer auf den unteren Wert des empfohlenen Bereichs, für Chromlack also zum Beispiel 1,5 bar.
  4. Lackiere eine Testfläche aus Pappe oder einem alten Bauteil. Halte den empfohlenen Spritzabstand ein, meist 20 bis 30 cm.
  5. Wirkt das Spritzbild körnig oder trocken, erhöhe den Druck in Schritten von 0,1 bis 0,2 bar.
  6. Bilden sich Läufer oder Nasen, ist der Druck zu niedrig oder der Lack zu stark verdünnt.
  7. Ist der Overspray sehr hoch und die Schicht dünn und matt, reduziere den Druck und prüfe den Spritzabstand.

Wer mit Chromlack arbeitet, sollte die Testfläche besonders sorgfältig beurteilen. Den fertigen Spritzbild einstellen erklärt der zugehörige Artikel ausführlicher.

Häufige Fragen

Die folgenden Fragen tauchen immer wieder auf, wenn Einsteiger zum ersten Mal Kompressor und Spritzpistole für Chromlack einsetzen.

Was ist der Unterschied zwischen Kesseldruck und Arbeitsdruck?

Der Kesseldruck ist der Vorratsdruck im Tank des Kompressors, meist 6 bis 10 bar. Er schwankt je nach Füllstand und ist für die Lackereinstellung nicht relevant. Der Arbeitsdruck ist der Druck, der nach dem Druckminderer an der Pistole anliegt, meist 1,5 bis 2,5 bar je nach Material. Nur dieser Wert bestimmt, wie der Lack zerstäubt wird. Den Arbeitsdruck liest du am Manometer nach dem Druckminderer ab, nicht am Kessel.

Wie viel Bar brauche ich für Chromlack mit einer Spritzpistole?

Als Richtwert für HVLP-Spritzpistolen gelten 1,5 bis 1,8 bar Arbeitsdruck für Chrom-Effektlack und Chromlack-Produkte. Welcher Druck zum Lackieren am Ende passt, hängt von der Viskosität des Lacks, der Düsengröße und dem Produkt ab. Immer zuerst auf einer Testfläche probieren und den Druck in kleinen Schritten anpassen. Zu hoher Druck zerstört die Ausrichtung der Metallic-Partikel und macht den Glanzfilm matt.

Was tun, wenn mein Kompressor zu klein ist für eine Spritzpistole?

Wenn der Kompressor zu wenig Förderleistung hat (unter 100 l/min), fällt der Druck beim Lackieren regelmäßig ab, sobald der Tank leer wird. Das Ergebnis sind ungleichmäßige Schichten und wechselndes Spritzbild. Als schnelle Lösung hilft ein niedrigerer Arbeitsdruck, der den Luftverbrauch der Pistole senkt. Besser ist aber eine Spritzpistole, die weniger Luftvolumen benötigt, oder eine Aufrüstung auf einen Kompressor mit größerem Tank und höherer Förderleistung.

Kann ich Chrom-Effektlack mit einem Airbrush-Kompressor verarbeiten?

Ja, aber nur mit speziell für Airbrush formulierten Chromlack-Produkten. Diese sind deutlich dünner als Spritzpistolen-Chromlack und auf Drücke von 0,8 bis 1,2 bar und Düsen von 0,2 bis 0,5 mm abgestimmt. Normalen Chrom-Effektlack für Spritzpistolen durch eine Airbrush-Düse zu drücken führt zu Verstopfung oder unbrauchbaren Ergebnissen. Für Modellbau-Anwendungen gibt es speziell abgestimmte Produkte, die im Artikel zu Chromlack im Modellbau beschrieben werden.

Wer die Bar-Einstellung verstanden hat, merkt schnell, dass der Druck nur ein Faktor von mehreren ist. Viskosität, Düsengröße, Spritzabstand und Schichtaufbau spielen bei Chromlack genauso eine Rolle. Die Chromlackierung Schritt für Schritt zeigt, wie alle diese Faktoren zusammenspielen.